Raumbedarf und Sozialverhalten
Der Luchs ist eine einzelgängerische Katzenart, d.h. Männchen und Weibchen leben im gleichen Gebiet, gehen aber getrennte Wege. Trotz dieser einzelgängerischen Lebensweise bewegt sich der Luchs in einem Sozialgefüge, das neben der Grundeinheit des Mutter-Jungtier-Verbandes auch zeitweisen Kontakt zwischen den Geschlechtern und auch regelmäßiges Informieren über den Status der Nachbarn beinhaltet.
Luchse brauchen viel Platz
Luchsweibchen haben Territoriengrößen von 50-200 km², Männchen zwischen 150 und
400 km². Das Territorium eines Männchens überlagert das von ein bis zwei Weibchen, selten auch von drei Weibchen

Reviere der Weibchen
Die Grundeinheit für die Sozialstruktur der Luchse sind die Wohngebiete (Reviere) der Luchsweibchen. Diese haben jeweils ihr eigenes Revier, in dem sie jagen und ihre Jungen aufziehen. Andere Weibchen und später auch die heranwachsenden Jungen werden in dem Territorium nicht geduldet.

Männchen Reviere
Die Luchsmännchen versuchen, möglichst das Revier eines oder mehrerer Weibchen dauerhaft zu besetzen, um andere Kuder abhalten und die eigene Vaterschaft sicherstellen zu können. Dabei müssen sie einen Kompromiss zwischen möglichst vielen Weibchen und der Kontrollierbarkeit des Gebietes eingehen.
Die Abgrenzung zu den Nachbarn erfolgt über das regelmäßgie Setzen von Harnmarken an den Reviergrenzen.

Jungtiere
Die Weibchen bringen im Frühsommer im Durchschnitt zwei bis drei Junge zur Welt. Sie werden von der Mutter alleine aufgezogen und bleiben bis zum Spätwinter bei ihr. Die Sterblichkeit liegt in diesen ersten neun Monaten bei etwa 50 Prozent.

Halbwüchsige
Auf der Suche nach einem eigenen Revier stoßen die Halbwüchsigen in noch luchsfreie Bereiche vor oder drücken sich zwischen den Revieren der erwachsenen Tiere (Adulten) herum. Alleine auf sich gestellt und in unbekanntem Terrain sterben in dieser Phase nochmals viele Tiere.

Revierbildung
Nur wenige können an der Peripherie ein eigenes Revier etablieren - die Population breitet sich aus. Manchmal gelingt es einem Jungtier auch, das verwaiste Revier eines umgekommenen Adulten zu übernehmen.

Abwanderung
Oft liegen die neuen Territorien in ungünstigem Lebensraum oder eingezwängt in das bestehende Reviersystem. Hier gilt es dann ständig den Status seiner Nachbarn zu beobachten und bei Gelegenheit eine Übernahme zu versuchen. Vor allem bei Männchen beobachtet man auch, dass einzelne Tiere nie richtig sesshaft werden, sondern quasi immer auf Wanderschaft bleiben.
Luchse regeln ihre Dichte selbst
Luchse verteidigen ihre Territorien (auch genannt Wohngebiete oder Reviere) gegen gleichgeschlechtliche Artgenossen. Auf diese Weise sichern sie sich die überlebensnotwendigen Ressourcen: eine ausreichende Nahrungsbasis, Rückzugsgebiete für die Jungenaufzucht und den Zugang zu Geschlechtspartnern.
Das Territorialverhalten der Luchse sorgt mit seiner Funktion der Ressourcensicherung für eine an den Lebensraum angepasste Luchsdichte. Damit bestimmt die Lebensraumgüte (Beutetierdichte und verfügbare Habitatelemente) wie groß Luchsterritorien sind. Also eine natürliche Selbstregulation.
Die Reviernutzung der einzelnen Tiere ähnelt einem Netz mit Knoten. Dabei spiegeln die Knoten die Lieblingsgebiete wie ruhige Tageslager oder bevorzugte Jagdorte wider. Die Stränge dazwischen sind die Wege, auf denen die Luchse zwischen ihren favorisierten Plätzen hin und her wechseln.
Die „Ampeln“ der Luchse
Männchen und Weibchen kommuni-zieren über Lautäußerungen und Duftmarken aus Urin. Die Duft-marken werden an auffälligen Punkten im Revier oder an dessen Peripherie gesetzt. Häufig markiert werden z. B. Felsbereiche, Wurzel-teller oder Holzstöße an Wegen.
Sie dienen sowohl der innerartlichen Kommunikation zwischen den Geschlechtern als auch der Revierabgrenzung gegenüber benachbarten, gleichgeschlechtlichen Luchsen.
Frische Harnmarken bedeuten, dass das Gebiet für andere Tiere tabu ist, die Ampel quasi auf Rot steht. Alte Harnmarken oder aber Objekte ohne Harnmarken dagegen bedeuten, dass gerade kein Luchs in dem Revierteil unterwegs ist, die Ampel also auf Grün steht. In der Paarungszeit dreht sich diese Funktion der Harnmarken genau ins Gegenteil um. Frische Markierungen des Geschlechtspartners wirken jetzt nicht mehr abweisend, sondern anziehend.
Junge Luchse haben’s schwer
Luchse sind vorwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv. Tagsüber schlafen die Tiere oder betreiben ausgiebig Körperpflege. Das Weibchen zieht ihre im Frühsommer geborenen Jungen alleine auf und betreut diese bis in den nächsten Spätwinter hinein.
Im Alter von 9 bis 10 Monaten müssen die Halbwüchsigen das mütterliche Wohngebiet verlassen und sich ein eigenes Revier suchen.
Die Jungensterblichkeit ist bei Luchsen sehr hoch: von vier geborenen Jungen überlebt nur meist nur eines bis zur Etablierung eines eigenen Revieres (i.d.R. im Alter von zwei Jahren). Todesursachen sind Verhungern, Krankheiten wie Katzenseuche oder Räude sowie menschlich bedingte Ursachen wie Verkehrsunfälle oder illegale Tötungen.
Infomaterial
Infomaterial zum Download sowie unsere letzten Luchsnachrichten finden Sie hier.
Revierstrukturen
Die Reviere von Luchsen basieren in erster Linie auf den Wohngebieten der Luchsweibchen.








